Rheumatoide Arthritis
Rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen der Innenhaut der Gelenke richtet. Das Immunsystem löst Entzündungen aus, um die ‘fremden’ Zellen zu bekämpfen.
Diese Entzündungen der Gelenkinnenhaut können zu Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit führen. Betroffen sind dabei vor allem zu Beginn der Erkrankung die Gelenke von Fingern und Zehen.
Charakteristische Symptome von rheumatoider Arthritis umfassen
- Morgendliche Gelenksteifigkeit, die oft über eine Stunde anhält
- Schmerzen und Schwellungen in den betroffenen Gelenken
- Symmetrische Gelenkbeteiligung auf beiden Körperseiten
- Allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und eine Fehlregulation des Immunsystems eine Rolle.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um dauerhafte Gelenkschäden zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
In Deutschland leben 0,8-1,2% der erwachsenen Bevölkerung mit rheumatoider Arthritis. Dies entspricht 560 000 bis 830 000 Menschen [1].
Spondyloarthritis
Spondyloarthritis (SpA) bzw. Spondyloarthritiden beschreibt eine Gruppe entzündlich rheumatischer Erkrankungen, die primär die Gelenke der Wirbelsäule betrifft. Da mit der Wirbelsäule das Achsenskelett betroffen ist, spricht man auch von axialer Spondyloarthritis (axSpA).
Spondyloarthritiden überschneiden sich und können ineinander übergehen. Man unterscheidet ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) und andere Spondyloarthritiden.
Ankylosierende Spondylitis ist eine Autoimmunerkrankung, in der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Knorpel- und Knochengewebe der Wirbelsäule angreift. Dafür ausgelöste Entzündungsprozesse verursachen häufig Rückenschmerzen. Sie wird auch Spondylitis ankylosans oder Morbus Bechterew genannt.
Entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen können auch mit einer Schupppenflechte (Psoriasis) auftreten oder im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen stehen.
Treten Gelenk- oder Rückenschmerzen nach einer bakteriellen Entzündung von Magen, Darm, Harnwege oder den Geschlechtsorganen auf, spricht man von einer reaktiven Arthritis.
Treten Symptome einer entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung auf, die sich nicht eindeutig zu einer Erkrankung zuordnen lassen, spricht man von einer undifferenzierten Spondylarthropathie.
Spondyloarthritiden beschreiben also chronisch-entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule. Alle Spondyloarthritiden können sich zu einer ankylosierenden Spondylitis entwickeln.
Schätzungen zu Folge leben in Deutschland 690.000–970.000 Betroffene mit Spondyloarthritis, für die ankylosierende Spondylitis allein werden 350.000 erwachsene Betroffene geschätzt [1].
Psoriasis Arthritis / Arthritis Psoriatica
Psoriasis Arthritis wird auch Schuppenflechtearthritis genannt. Sie ist eine chronisch entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis), die gemeinsam oder zeitversetzt mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) auftritt.
In Deutschland leben etwa zwei Millionen Menschen mit Schuppenflechte. Bei etwa jedem Dritten Patienten mit Schuppenflechte entwickelt sich im Laufe der Erkrankung eine chronische Gelenkentzündung. Häufig treten Hautveränderungen der Schuppenflechte auf, bevor Gelenkbeschwerden merkbar werden.
Erste Anzeichen einer Psoriasis Arthritis ähneln frühen Symptomen der rheumatoiden Arthritis (RA). So führen Entzündungen in den kleinen Gelenken der Hände und Füße zu Schmerzen, Schwellungen und Steifigkeit. Symptome treten vorwiegend morgens aus (Morgensteifigkeit). Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis treten die Symptome bei Psoriasis Arthritis nicht symmetrisch, sondern nur einseitig, also in einzelnen Gelenken auf.
Neben den Gelenken können bei Psoriasis Arthritis auch die Sehnenscheiden und Sehnenansätze am Knochen entzündet sein. Sind Gelenke, Sehnen und Sehnenansätze zeitgleich entzündet, schwillt der gesamte Finger oder Zeh an. Man spricht auch vom Wurstfinger oder Wurstzeh.
Psoriasis Arthritis kann neben kleinen Gelenken auch große Gelenke wie die Knie oder Hüfte oder die Wirbelsäule befallen. Ist die Wirbelsäule betroffen, ähnelt die Erkrankung einem Morbus Bechterew (Spondyloarthritis).
In Deutschland leben Schätzungen zu Folge 0,11–0,32 % der erwachsenen Bevölkerung unter Psoriasis Arthritis. Das entspricht 170.000–220.000 Personen bzw. 1,7-2,2 von 100.000 [1].
Vaskulitiden
Vaskulitiden sind eine Gruppe von entzündlich-rheumatischen Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen Blutgefäße im Körper richtet. Je nach Größe und Art der betroffenen Blutgefäße werden Vaskulitiden weiter unterschieden (Chapel-Hill-Nomenklatur, 2012).
Anzeichen für Vaskulitiden können sehr unspezifisch sein. Zu ihnen zählen
- Beschwerden am Bewegungsapparat (Muskel- und Gelenkschmerzen, selten Gelenkschwellungen)
- schmerzhafte Augenrötungen und Sehstörungen
- Kopfschmerzen
- Hals-Nasen-Ohren-Probleme (blutiger Schnupfen oder Hörsturz)
- Taubheitsgefühle (etwa an den Füßen) und Lähmungen
- Beschwerden im Magen-Darm-Trakt (blutiger Durchfall, Bauchschmerzen)
- Hautveränderungen (rote Flecken, Knötchen, Geschwüre)
- Bluthusten
- Blutiger Urin
Auch können Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Nachtschweiß mit Vaskulitiden in Verbindung stehen. Diese Symptome können auch mit verschiedenen anderen Erkrankungen einher gehen. Es ist ratsam, Symptome genau zu beobachten und zum Beispiel in einem Symptomtagebuch zu dokumentieren.
Die häufigste Vaskulitis ist die Riesenzellenarthritis (Arteriitis temporalis), die bei etwa 30 von 100.000 Menschen auftritt. Alle anderen Vaskulitiden treten zusammen bei etwa 20 von 100.000 Menschen auf. Insgesamt zählen Vaskulitiden zu seltenen Erkrankungen.
Polymyalgia rheumatica
Polymyalgia rheumatica ist eine entzündlich-rheumatische Autoimmunerkrankung, die zu Entzündungen der Gelenkinnenhaut führt. Sie zeigt sich durch starken Schmerzen in der Nacken-, Schulter-, Rücken und Hüftmuskulatur. Auch Versteifungen dieser Muskeln können auftreten. Polymyalgia rheumatica wird umgangssprachlich auch als Muskelrheuma bezeichnet.
Kennzeichnend ist ein symmetrisches Schmerzauftreten sowie ein tageszeitlicher Schmerzverlauf. Schmerzen bauen sich häufig nachts auf und sind morgens am stärksten. Im Tagesverlauf nehmen diese Schmerzen ab.
Schätzungen zu Folge leben in Deutschland 0,14-0,15% der erwachsenen Bevölkerung (ab 40 Jahren) an Polymyalgia rheumatica, was 66.000–71.000 Patienten entspricht [1].
Sjögren-Syndrom
Das Sjögren Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, in der Strukturen des Bindegewebes als fremd angesehen werden werden. Das Sjögren Syndrom äußert sich primär durch Entzündungen der Speichel- und Tränendrüsen. Es wird den Kollagenosen zugeordnet. Kollagenosen sind pathologische Veränderungen des Bindegewebes.
Typische Symptome umfassen
- trockener Mund, trockene Augen, bei Frauen trockene Scheidenschleimhaut
- Starke Erschöpfung bzw Fatigue
- Gelenk- und Muskelbeschwerden
- Vorübergehend geschwollene Speicheldrüsen und Halslymphknoten
- Trockene und/oder juckende Haut
- Durchblutungsstörungen in den Fingern
- Schlafstörungen
Das Sjögren-Syndrom kann alleine auftreten, man spricht dann vom primären Sjögren-Syndrom. Von einem sekundären Sjögren-Syndrom spricht man, wenn eine andere Erkrankung vorliegt. Meist sind diese Erkrankungen rheumatische Erkrankungen wie z.B. Rheumatoide Arthritis, SLE, Polymyositis, oder auch Hepatitis B oder Hepatitis C.
Schätzungen zu Folge leben in Deutschland 0,04% der erwachsenen Bevölkerung am Sjögren-Syndrom. Das entspricht etwa 39 von 100.000 Menschen. Überwiegend sind Frauen mittleren Alters vom Sjögren-Syndrom betroffen. Die Erstdiagnose wird häufig in einem Alter von 40-60 Jahren gestellt. Im Verhältnis sind ein Mann und neun Frauen betroffen.
Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)
Der Systemische Lupus Erythematodes (SLE) ist eine systemische Autoimmunerkrankung. Man spricht auch von einer Systemerkrankung, da häufig verschiedene Gewebe betroffen sind. Bei SLE sind häufig die Haut und Gefäßbindegewebe der Organe durch Vaskulitiden und Ablagerungen von Immunkomplexen betroffen. Dabei kann sich SLE auf jedes Organsystem auswirken, was das Krankheitsbild sehr vielfältig macht und die Diagnosestellung erschwert.
SLE zählt zur Gruppe der Kollagenosen. In Deutschland leiden etwa 36-50 von 100.000 Menschen an SLE, dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Dies entspricht 30.000-42.000 Patienten [1].
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