Frühe Rheumazeichen, Rheumafaktoren und CCP Antikörper

Veröffentlicht am
29.5.2024
Zuletzt bearbeitet am
5.8.2026
Lesedauer:
7 Minuten

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Rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich eine chronische Entzündung in den Gelenken manifestiert. Um die rheumatoide Arthritis wirksam zu behandeln, ist eine schnelle Diagnose wichtig. Studien zeigen, dass dauerhafte Schäden und Folgeerkrankungen verhindert werden können, wenn eine Therapie frühzeitig eingeleitet wird. Dies sollte im Idealfall innerhalb von drei Monaten nach Auftreten von ersten Krankheitszeichen geschehen.

Dieser Artikel beschreibt frühe Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis und erklärt Rheumafaktoren sowie den CCP Wert als labordiagnostische Instrumente.

Was sind frühe Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis?

Frühe Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis sind häufig zunächst einseitige Schmerzen in einzelnen Finger- und Zehengelenken. In seltenen Fällen können auch große Gelenke (z.B. die Kniegelenke) betroffen sein. Die Gelenke schwellen an und sind morgens schwer beweglich. Man spricht auch von Morgensteifigkeit.

Für eine frühe rheumatoide Arthritis können diese Anzeichen sprechen, wenn

  • die Gelenkschwellung weich (nicht verhärtet) ist, in mehr als zwei Gelenken auftritt und nach sechs Wochen nicht abklingt
  • die befallen Gelenke symmetrisch sind, also beispielsweise die selben Fingergelenke der rechten und linken Hand betroffen sind
  • die Morgensteifigkeit länger als 60 Minuten anhält und in dieser Zeit ein Faustschluss nicht möglich ist.

Häufig breiten sich Entzündungen in den ersten Wochen und Monaten über mehrere Gelenke aus. Seltener können sich auch Rheumaknoten an den Unterarmen oder Fingern bilden.

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Wie wird eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert?

Treten frühe Symptome auf, ist es ratsam, schnell einen Arzt aufzusuchen. Neben den typischen Beschwerden spielen für die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis weitere Faktoren eine Rolle.

Zur Sicherung der Diagnose werden üblicherweise Untersuchungen des Bluts durchgeführt, die Entzündungen nachweisen. Analysiert werden häufig

  • Allgemeine Entzündungswerte wie die Blutsenkung und der CRP Wert
  • Rheumafaktoren sowie
  • Antikörper gegen sogenannte cyclische citrullinierte Peptide (CCP, ACPA).

Ultraschall oder andere Bildverfahren wie Röntgen oder MRT können helfen, die Diagnose zu bestätigen und den Schweregrad einzuschätzen. Eine genetische Veranlagung (Rheumatoide Arthritis in der Familie) wird ebenfalls abgefragt.

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Rheumafaktoren

Rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen richtet. Dafür entsendet das Immunsystem Antikörper.

Antikörper sind Eiweißstoffe, die im Blut und anderen Körperflüssigkeiten aufzufinden sind. Ihre eigentliche Hauptaufgabe ist es, den Körper vor ‘Eindringlingen’ wie Bakterien, Viren, Pilzen oder Schadstoffen zu schützen. Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem jedoch auch gegen körpereigene, gesunde Strukturen.

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Was ist der Rheumafaktor?

Der Rheumafaktor (RF) ist ein Antikörper, der sich gegen das Immunglobulin G (IgG) anderer Antikörper richtet.

Rheumafaktoren werden, wie alle andere Antikörper auch, in verschiedene Klassen unterteilt. Zu diesen zählen unter anderem

  • Immunglobulin M (IgM),
  • Immunglobulin A (IgA) und
  • Immunglobulin G (IgG).

In der Regel gehören die nachgewiesenen Rheumafaktoren zur Klasse IgM (RF-IgM oder RhF-IgM).

Der Rheumafaktor ist einer von mehreren Parametern, die zur Diagnose herangezogen werden können. Üblicherweise werden weitere Untersuchungen durchgeführt, da der Rheumafaktor auch andere rheumatische Erkrankungen anzeigen kann.

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Was sagen Rheumafaktoren aus?

Rheumafaktoren sind ein wichtiges Kriterium für die Diagnosestellung bei rheumatoider Arthritis. Sie zählen zu den Klassifikationskriterien.

Ist der Rheumafaktor erhöht, kann eine rheumatische Erkrankung vorliegen. Ein erhöhter Rheumafaktor allein ist jedoch nicht ausreichend, um eine rheumatoide Arthritis zu diagnostizieren. Auch schließt ein negativer Rheumafaktor eine rheumatoide Arthritis nicht aus.

Neben der Diagnose können Rheumafaktoren auch Hinweise über den Verlauf der Erkrankung geben. So deuten Studien darauf hin, dass vor allem hohe Rheumafaktor-Werte der Klasse IgA (RF-IgA) und/oder IgG (RF-IgG) mit schwereren Verläufen einer rheumatoiden Arthritis zusammenhängen. Bei schweren Verläufen ist der Gelenkbefall ausgeprägter und die Erkrankung schreitet schneller voran [1]. In 70-80% der Fälle sind IgM Antikörper nachweisbar, die nicht mit einem schweren Verlauf assoziiert werden [5].

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Wann sind Rheumafaktoren erhöht?

Rheumafaktoren können eine rheumatoide Arthritis anzeigen, aber auch bei anderen rheumatischen und nicht-rheumatischen Erkrankungen erhöht sein.

Rheumafaktor und rheumatoide Arthritis

Studien zeigen, dass der Rheumafaktor bei 50% der Patienten zu Beginn der Erkrankung erhöht ist. Im weiteren Verlauf der rheumatoiden Arthritis ist der Rheumafaktor bei 70-80% der Patienten erhöht. Man spricht dann von einer seropositiven rheumatoiden Arthritis. Im Umkehrschluss können Patienten auch an rheumatoider Arthritis erkrankt sein, ohne dass der Rheumafaktor positiv ist. In diesem Fall spricht man von einer seronegativen rheumatoiden Arthritis.

Rheumafaktor und andere rheumatische Erkrankungen

Der Rheumafaktor kann nicht nur bei rheumatoider Arthritis positiv ausfallen. Auch bei anderen rheumatischen und nicht-rheumatischen Erkrankungen kann der Rheumafaktor erhöht sein.

Der Rheumafaktor fällt in Prozentangaben bei folgenden rheumatischen Erkrankungen ebenfalls positiv aus:

  • 50-100% bei Kryoglobulinämie Typ IIDies ist eine Form der Gefäßentzündung, die durch Ablagerungen von Immunkomplexen in den kleinen Gefäßen entsteht
  • 55-95% Sjögren-SyndromEine Autoimmunerkrankung des Bindegewebes, die sich u.a. mit Augentrockenheit zeigt
  • 50-60% Mischkollagenose (MCTC)Ein Erkrankungsbild mit Symptomen verschiedener autoimmunen Bindegewebserkrankungen (z.B. Systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie und Polymyositis sowie einem Raynaud-Syndrom)
  • 20-30% Sklerodermie (Systemische Sklerose)Eine Autoimmunerkrankung, die mit verhärtetem Bindegewebe einher geht
  • 15-35% Systemischer Lupus erythematodesSystemische Autoimmunerkrankung der Haut, Gefäßbindegewebe und Organe
  • 10-15% Juvenile chronische Arthritis
  • 5-26% Polymyositis

Auch bei Menschen die unter nicht-rheumatischen Erkrankungen leiden, kann der Rheumafaktor positiv ausfallen. Gleiches gilt für gesunde Menschen. Etwa 1-4% der Erwachsenen unter 60 Jahren haben einen positiven Rheumafaktor, ohne Symptome zu zeigen. Bei Erwachsenen über 60 Jahren liegt dieser Anteil bei 5-12%.

Rheumafaktoren zählen zu den Klassifikationskriterien einer rheumatoiden Arthritis. In Kombination mit Symptomen und der Krankengeschichte kann der Rheumafaktor ein Hinweis für rheumatische Erkrankungen sein. Üblicherweise stellt der Rheumafaktor jedoch nur einen Parameter dar, der zur Diagnose genutzt wird.

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Zyklisches citrulliniertes Peptid (CCP)

Zyklisches citrulliniertes Peptid (engl. cyclische citrullinierte Peptide, CCP) ist ein Protein. Im Rahmen der rheumatoiden Arthritis entstehen Antikörper gegen CCPs, da der Körper diese als fremd ansieht. Diese Antikörper gegen CCPs nennt man CCP-Antikörper (CCPAK, CCP AK) oder seltener auch Anti-CCP-Antikörper oder ACPA.

CCP-Antikörper wurden in den 1970er Jahren entdeckt. Während Rheumafaktoren auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein können, sind CCP-Antikörper sehr spezifisch für rheumatoide Arthritis. Erhöhte CCP-Antikörper Werte im Blut können also ein deutlicher Hinweis auf eine rheumatoide Arthritis sein.

CCP-Antikörper können bis zu 10 Jahre vor dem Auftreten von rheumatoider Arthritis erhöht sein. Sie dienen daher auch als Frühindikator.

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Wann sind CCP Werte erhöht?

Erhöhte CCP-Antikörper Werte sind ein starkes Indiz für eine frühe rheumatoide Arthritis.

Die Sensitivität von CCPAK beträgt 55-80% [8], die Spezifizität beträgt 88-98% [9].

Sensitivität bedeutet in der wissenschaftlichen Fachsprache, dass eine eine Untersuchung erkrankte Patienten zuverlässig als erkrankt erkennt. Die Spezifität einer Untersuchung sagt aus, wie zuverlässig diese Untersuchung gesunde Patienten als gesund einstuft.

Das bedeutet, dass CCP-Antikörper hauptsächlich im Blut bei rheumatoider Arthritis nachweisbar sind. Sie gelten deshalb als zuverlässiger Marker für eine rheumatoide Arthritis [10].

Sind CCPAK Werte negativ, kann eine rheumatoide Arthritis dennoch nicht ausgeschlossen werden.

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Laborwerte verstehen

Um eine Diagnose zu stellen, werden häufig Körperflüssigkeiten untersucht. Dafür werden diese Körperflüssigkeiten entnommen und in ein Labor geschickt. Um rheumatoide Arthritis zu diagnostizieren, untersucht das Labor dein Blut auf Entzündungswerte, Rheumafaktoren und CCP Antikörper.

Dafür nutzen Labore unterschiedliche Verfahren und Messgrößen zur Rheumadiagnostik im Labor. Jedes Verfahren basiert auf wissenschaftlichen Studien und basiert auf definierten Normwerten bzw. Referenzintervallen.

Um Rheumafaktoren und CCP Werte bzw. CCP Antikörper Werte zu verstehen, ist es wichtig die Normwerte des genutzten Verfahrens zu kennen. Diese sind auch immer auf dem Befundbericht angegeben, den dein Arzt vom Labor erhält. Möchtest du deine Blutwerte verstehen, erfrage den Laborbefund bei deinem Arzt und spreche Fragen am besten direkt an.

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Geschwollene Gelenke und Morgensteifigkeit zählen zu frühen Symptomen einer rheumatoiden Arthritis.

Um das Risiko für Einschränkungen und Folgeerkrankungen zu reduzieren, ist es wichtig, schnell einen Arzt aufzusuchen. Für die Diagnose werden üblicherweise Blutuntersuchungen durchgeführt. In der Labordiagnostik werden neben allgemeinen Entzündungswerten (Blutsenkung, CRP) auch Rheumafaktoren und CCP-Antikörper bestimmt, mit denen eine Diagnose gestellt werden kann.

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