“Rheuma” und “Rheumatismus” bezeichnen Schmerzzustände im Stütz- und Bewegungsapparat. Der Bewegungsapparat umfasst Knochen, Gelenke, Sehnen, Muskeln und das Bindegewebe.
Rheuma bzw. Rheumatismus ist keine eigenständige Diagnose, sondern fasst vielmehr eine Gruppe an Erkrankungen zusammen, die mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Bewegungsapparat einhergehen. Ärzte und Therapeuten sprechen heute von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.
Der rheumatische Formenkreis umfasst mehr als 100 teils sehr unterschiedliche Erkrankungen. Diese Erkrankungen haben Schmerzen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates gemeinsam und werden deshalb im rheumatischen Formenkreis zusammengefasst.
Dieser Artikel erklärt mit Hilfe des rheumatischen Formenkreises, was Rheuma ist und grenzt verschiedene rheumatische Erkrankungen voneinander ab. Denn rheumatische Symptome sind nicht unbedingt mit einer rheumatischen Erkrankung verbunden.
Eine Klassifizierung nach Ursachen: Der rheumatische Formenkreis
Rheumatische Symptome beschreiben grundsätzlich Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Bewegungsapparat. Der Bewegungsapparat umfasst umfasst Knochen, Gelenken, Sehnen, Muskeln und das Bindegewebe.
Rheumatische Symptome können mit rheumatischen Erkrankungen einhergehen, können aber auch andere Ursachen haben:
- Muskelverspannungen sind ein häufiges rheumatisches Symptom, das jedoch meistens nicht mit einer rheumatischen Krankheit verbunden ist.
- Rückenschmerzen sind ein rheumatisches Symptom, das mit rheumatischen oder anderen Erkrankungen verbunden sein kann.
Rheumatische Erkrankungen können sich in den Knochen, Gelenken, Sehnen, Muskeln oder im Bindegewebe äußern. Entsprechend können die Krankheitsbilder sehr unterschiedlich sein.
In der Rheumatologie unterteilt der rheumatische Formenkreis rheumatische Erkrankungen nach ihren Ursprüngen. Der rheumatische Formenkreis bildet vier Hauptgruppen, innerhalb derer weitere Unterteilungen vorgenommen werden.
Derzeit werden rheumatische Erkrankungen unterschieden in
- Entzündliche-rheumatische Erkrankungen
- Degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Stoffwechselstörungen
- Schmerzhafte, nicht-entzündliche Erkrankungen der Weichteile
In Deutschland leben etwa 1,5 - 2,1 Millionen Menschen mit einer Erkrankung des rheumatischen Formenkreises [1].
Entzündliche-rheumatische Erkrankungen
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind häufig Autoimmunerkrankungen, bei denen Entzündungen im Bewegungsapparat stattfinden und so Schmerzen auslösen. Sie verlaufen oft chronisch.
Als Autoimmunerkrankung sind Fehlfunktionen des Immunsystem ursächlich für die Erkrankung. Das Immunsystem erkennt körpereigene Strukturen als fremd an und löst Entzündungen aus, um diese zu bekämpfen.
Bei rheumatisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen sind primär Bereiche des Bewegungsapparates betroffen, wie z. B. Entzündungen der Gelenke bei rheumatoider Arthritis. Je nach Erkrankung können jedoch auch innere Organe, Haut, Schleimhäute oder Blutgefäße beeinträchtigt sein.
Zu häufigen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zählen unter anderem:
- Rheumatoide Arthritis
- Psoriasis Arthritis / Arthritis psoriatica
- Spondyloarthritis / Spondylitis ankylosans / Morbus Bechterew
- Vaskulitiden
- Polymyalgia rheumatica
- Sjögren-Syndrom
- Systemischer Lupus Erythematodes (SLE)
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind durch sehr unterschiedliche Ursachen und Krankheitsbilder geprägt.
Degenerative rheumatische Erkrankungen
Der Bewegungsapparat besteht aus aus Knochen, Gelenken, Sehnen, Bändern, Knorpel sowie dem Muskel und Faszien. Gelenke, Knochen und umliegendes Gewebe können verschleißen und sich abnutzen. In dem Fall spricht man von degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates. Degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates sind also Erkrankungen, die durch Abnutzung und Verschleiß entstehen.
Sie entwickeln sich üblicherweise über einen längeren Zeitraum und betreffen hauptsächlich den passiven Bewegungsapparat. Zum passiven Bewegungsapparat zählen das Skelett, Gelenke, Bänder, Knorpel und Bandscheiben.
Degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates können alle Gelenke der Extremitäten (z.B. Knie, Hüfte, Schulter) sowie der Wirbelsäule, Hände und Füße betreffen.
Zu den wichtigsten Merkmalen degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparates zählen unter anderem:
- Veränderungen des Knorpels: Der Gelenkknorpel, der als Gleitschicht und Stoßdämpfer dient, wird dünner und rauer.
- Abnutzung: Die betroffenen Gelenke zeigen Erscheinungen von Verschleiß, die zu Schmerzen und Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit führen können.
- Altersbedingte Entstehung: Häufig treten degenerative Erkrankungen mit zunehmendem Alter auf. Durch Fehlbelastungen, Übergewicht oder Unfälle können sie jedoch auch in jüngeren Jahren entstehen.
Degenerative Erkrankungen können Entzündungsprozesse hervorrufen, die zeitweise auftreten. Diese Entzündungen sind hier jedoch nicht ursächlich für die Abnutzung bzw. den Verschleiß, sondern eine Folge.
Häufige degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates sind
- Arthrosen
- Spondylosen (Wirbelgelenksarthrose)
- Osteochondrose
Die Behandlung degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrosen, Spondylosen und Osteochondrose zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten. Dazu können verschiedene Therapieansätze wie Physiotherapie, Ergotherapie, Osteopathie und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden. In fortgeschrittenen Fällen können auch operative Eingriffe notwendig sein.
Weichteilrheumatismus
Weichteilrheuma oder Weichteilrheumatismus sind schmerzhafte rheumatische Erkrankungen, die die "weichen" Strukturen des Bewegungsapparates betreffen. Zu den betroffenen Geweben gehören:
- Muskeln
- Sehnen und Sehnenscheiden
- Bänder
- Schleimbeutel
- Fettgewebe
- Faszien (Bindegewebe)
- Nerven
- Gefäße
Im Gegensatz zu anderen rheumatischen Erkrankungen sind bei Weichteilrheumatismus die Knochen, Gelenke und Gelenkknorpel nicht betroffen.
Weichteilrheumatismus ist keine eigene Diagnose, sondern wird als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder verwendet.
Rheumatische Erkrankungen der Weichteile, die lokale Beschwerden bedingen, sind unter anderem
- Lokale, wulst- oder knotenförmige Muskelverhärtungen (Myogelosen)
- degenerative Sehnenerkrankungen (Tendopathien),
- Entzündungen der Muskelsehnen und Muskelsehnenscheiden (Tendovaginitiden),
- Schleimbeutelreizungen oder Schleimbeutelentzündungen (Bursitiden)
Auch Fibromyalgie, eine chronische Schmerzerkrankung, wird dem Weichteilrheumatismus zugeordnet. Die Erkrankung kann Schmerzen im ganzen Körper auslösen, meistens treten sie in Gelenknähe oder nahe der Wirbelsäule auf.
Stoffwechselstörungen mit rheumatischen Beschwerden
Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden sind Krankheiten, bei denen Störungen im Stoffwechsel zu Schmerzen und Entzündungen am Bewegungsapparat führen.
Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit und Schmerzen sind hier also eine Folge von Stoffwechselstörungen. Zu häufigen Krankheitsbildern zählen unter anderem
Gicht & Pseudogicht
Eine Stoffwechselstörung führt bei Gicht zu Ablagerungen in den Gelenken, die Entzündungen auslösen. Genauer gesagt führt eine Störung im Harnsäure- oder Purinstoffwechsel zur Bildung von Urat-Kristallen, die sich in Gelenken ablagern und Entzündungen verursachen.
Bei Pseudogicht (Chondrokalzinose) lagern sich Kalziumoxalat-Kristalle in den Gelenken ab und sind in bildgebenden Verfahren sichtbar. Man spricht auch von einer Verkalkung der Gelenke, die Beschwerden verursachen kann.
Osteoporose
Osteoporose ist eine Erkrankung des Stoffwechsels der Knochen. Dabei werden Dichte, Qualität und Festigkeit der Knochen vermindert. Sie führt zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit. Osteoporose wird auch als Knochenschwund bezeichnet.
Während Osteoporose in frühen Stadien häufig ohne Symptome verläuft, können im Krankheitsverlauf Knochenschmerzen und Rückenbeschwerden auftreten.
Hormonelle und endokrine Gelenkerkrankungen
Auch hormonelle Dysfunktionen können Beschwerden im Bewegungsapparat auslösen. Eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) kann zu Gelenk- und Muskelschmerzen sowie allgemeiner Steifheit führen. Eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) kann Osteopenie und Osteoporose verursachen.
Stoffwechselstörungen können Schmerzen, Entzündungen oder Funktionseinschränkungen in Gelenken, Knochen oder Muskeln auslösen, die 'klassischen' rheumatischen Erkrankungen ähneln.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrundeliegenden Stoffwechselstörung und den spezifischen Symptomen.
Rheuma ist nicht gleich Rheuma. Rheuma oder Rheumatismus ist eine unspezifische Bezeichnung für Funktionseinschränkungen und Schmerzen des Bewegungsapparates.
Entsprechende Symptome wie Muskelverspannungen können harmlos sein. Treten Schmerzen und Funktionseinschränkungen regelmäßig oder dauerhaft auf, können diese Symptome auf ernsthafte rheumatische Erkrankungen hinweisen.
Mehr als 100 rheumatische Erkrankungen sind bis heute bekannt. Rheumatoide Arthritis ist die häufigste dieser Erkrankungen. Der rheumatische Formenkreis strukturiert rheumatische Erkrankungen nach ihrer Ursache.