Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, die dem Weichteilrheuma im rheumatischen Formenkreis zugeordnet wird.
Fibromyalgie geht mit verschiedenen Symptomen einher. Eines der Leitsymptome von Fibromyalgie sind chronische Schmerzen, die im gesamten Körper ohne wahrnehmbaren Auslöser und in variierender Stärke auftreten können. Auch ein Druckschmerz an definierten Punkten kann auftreten. Diese Punkte werden Tender Points oder Triggerpunkte genannt.
Dieser Artikel beleuchtet Druckschmerz und Schmerzpunkte bei Fibromyalgie.
Was sind Druckschmerzen?
Druckschmerz ist eine spezifische Form der Schmerzempfindung. Druckschmerz beschreibt ein unangenehmes Gefühl, das durch mechanischen Druck auf eine bestimmte Körperstelle ausgeübt wird. Gleichermaßen beschreibt Druckschmerz die Eigenschaft eines Gewebes oder einer Körperstruktur, bei Ausübung von Druck Schmerz zu erzeugen:
Grundsätzlich sind unterschiedliche Körperstellen unterschiedlich druckempfindlich. Auch bei Erkrankungen können Gewebe oder Körperstrukturen mit Druckschmerz reagieren. Der Schmerz tritt typischerweise bei Berührung einer Hautstelle oder durch Druck auf ein erkranktes inneres Organ auf. Dafür tasten Ärzte häufig Körperstellen ab, um diese auf Druckschmerzempfindlichkeit zu prüfen.
Druckschmerz gehört zur Kategorie der Rezeptorschmerzen (nozizeptive Schmerzen), die durch Reizung von Schmerzrezeptoren im Gewebe entstehen. Sie äußern sich oft als dumpf, drückend oder krampfartig.
Druckschmerz kann grundsätzlich ein Symptom verschiedener Erkrankungen sein. Druckschmerz ist ein wichtiges diagnostisches Merkmal, der je nach Lokalisierung unterschiedliche Erkrankungen indizieren kann. Deshalb wird er im Kontext mit anderen Symptomen und klinischer Befunden interpretiert.
Was sind Tender Points?
Tender Points, auch Triggerpunkte genannt, sind spezifische, druckempfindliche Stellen am Körper, die bei Berührung Schmerzen verursachen.
Bei Fibromyalgie treten Schmerzen vor allem im Bereich der Muskeln und Sehnen auf. So sind Triggerpunkte bei Fibromyalgie klar definierte Stellen im Bereich verschiedener Gelenke, die auf Druck schmerzhaft reagieren.
Bei Fibromyalgie wurden in der Vergangenheit 18 Triggerpunkte identifiziert, die symmetrisch auf beiden Körperseiten verteilt sind. Sie befinden sich im Nacken, Brust, Schultern, Ellbogen, Hüften und Knie.
Tender Points als Diagnosekriterium für Fibromyalgie?
Tender Points wurden zur Diagnose der Fibromyalgie verwendet. Nach den veralteten Kriterien von 1990 mussten mindestens 11 von 18 Punkten bei der Untersuchung durch Ausübung von Druck schmerzhaft sein.
Neben praktischen Schwachstellen wie einer unscharfen Begrenzung der Punkte zeigte sich auch, dass Tenderpoints auch bei anderen Erkrankungen auffällig sein können.
Zu diesen zählen unter anderem
Myofasziales Schmerzsyndrom: Dies ist die primäre Erkrankung im Zusammenhang mit Triggerpunkten. Es ist gekennzeichnet durch chronische Schmerzen im Muskel-Skelett-System, insbesondere in den Muskelfaszien.
Muskuloskelettale Erkrankungen: Triggerpunkte können durch Überbeanspruchung der Muskeln, Verletzungen oder Traumata entstehen. Dies kann auf mögliche zugrunde liegende Probleme oder Erkrankungen im Muskel-Skelett-System hindeuten.
Psychische Belastung: Chronischer Stress und psychische Probleme können zur Entstehung von Triggerpunkten beitragen
2010 veröffentlichte das American College of Rheumatology (ACR) aktualisierte Diagnosekriterien für Fibromyalgie. Diese neuen Kriterien nehmen Abstand von der Untersuchung von Druckpunkten.
Stattdessen werden in den Diagnosekriterien Schmerzzonen mit dem Widespread pain index (WPI) bestimmt. In Kombination mit der Symptomschweregradskala (SSS) werden auftretende, diagnoserelevante Symptome strukturiert erhoben und fließen in den Diagnoseprozess ein.
Druckschmerz ist eine unangenehme Empfindung, die durch mechanischen Druck ausgelöst wird. Druckschmerz kann auch bei Fibromyalgie auftreten. Früher wurde Druckschmerz an definierten Punkten, sogenannten Tender Points oder Triggerpunkten, als Diagnosekriterium für Fibromyalgie genutzt. Heute werden stattdessen Schmerzzonen betrachtet und in Kombination mit Schlafstörungen, Fatigue sowie dem Ausschluss anderer Ursachen bewertet.
Quellen
[1] Smythe, H. Tender points: Evolution of concepts of the fibrositis/fibromyalgia syndrome. American Journal of Medicine, Volume 81 (3) 1986, Pages 2-6
[2] S3-Leitlinie Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms der Deutsche Schmerzgesellschaft. In: AWMF online (Stand 2017) S. 12., 2. Aktualisierung, abgerufen am 20. Mai 2018.
[3] Omar H. Henriquez, Devin Peck: Fibromyalgia Diagnosis. In: Erin Lawson, Mark S. Wallace (Hrsg.): Fibromyalgia. Clinical Guidelines and Treatments. Springer, New York 2015. ISBN 978-3-319-15819-8. S. 26.
[5] Omar H. Henriquez, Devin Peck: Fibromyalgia Diagnosis. In: Erin Lawson, Mark S. Wallace (Hrsg.): Fibromyalgia. Clinical Guidelines and Treatments. Springer, New York 2015. ISBN 978-3-319-15819-8. S. 26.
Fibromyalgie ist eine weichteilrheumatische Erkrankung die mit diversen unspezifischen Symptomen einhergeht. Da es keinen biologischen Test für Fibromyalgie gibt, gestaltet sich die Diagnose häufig sehr schwierig.
Weichteilrheuma ist eine Gruppe des rheumatischen Formenkreises, in der rheumatische Erkrankungen von weichem Gewebe zusammengefasst werden. Zu ihnen zählen Sehnenscheidenentzündungen, Muskelverhärtungen aber auch Fibromyalgie.
Der Widespread Paid Index (WPI) ist ein standardisiertes Werkzeug zur Erfassung der Schmerzausbreitung. Er spielt eine wichtige Rolle in der modernen Fibromyalgie-Diagnostik und wird üblicherweise...
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