Ernährung bei Rheumatoider Arthritis: Mischkost, mediterran, ketogen, vegetarisch?

Veröffentlicht am
20.1.2024
Zuletzt bearbeitet am
5.8.2026
Lesedauer:
9 Minuten

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Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die Gelenke betrifft und oft mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht. Neben der konventionellen medikamentösen Therapie gewinnt die Ernährung als unterstützende Maßnahme zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Studien legen nahe, dass eine gesunde Ernährung in Therapieergänzung die Rheumatoide Arthritis und entsprechende Begleiterkrankungen positiv beeinflussen kann indem sie Entzündungsprozesse mildert und Knochenschwund vorbeugt.

Einige Diäten werben damit, dass sie Rheuma-Erkrankungen heilen können - ein falsches Versprechen, denn eine spezielle Rheuma-Diät gibt es nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt grundsätzlich, die Ernährungspyramide als Leitfaden zu nutzen. Ziel ist es, durch eine vielfältige Ernährung ein breites Spektrum an Vitaminen, Antioxidantien und Mineralstoffen abzudecken. ür Patienten mit Rheumatoider Arthritis gibt es einige zusätzliche Faktoren zu beachten, die dazu beitragen können Entzündungsprozesse zu mildern und die Knochengesundheit zu unterstützen.

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Dieser Artikel stellt dar, welche Ernährung sich positiv auf Rheumatoide Arthritis auswirkt und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es zu verschiedenen Ernährungsformen gibt.

Mischkost bei Rheumatoider Arthritis

"Mischkost" bezeichnet eine Ernährungsweise, die verschiedene Lebensmittelgruppen kombiniert, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Sie umfasst in der Regel eine Vielzahl von Nahrungsmitteln wie Gemüse, Obst, Getreide, Milchprodukte, Fleisch und Fisch. Ziel der Mischkost ist es, den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen, einschließlich Vitaminen, Mineralstoffen, Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten. Diese Ernährungsform wird oft als gesund und ausgewogen betrachtet, da sie die Vorteile verschiedener Lebensmittelgruppen kombiniert.

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Die Ernährungspyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung kann als Orientierungshilfe genutzt werden, jedoch sollte diese bei einer Rheumatoiden Arthritis angepasst werden:

Die Basis für eine gesunde Ernährung sollte durch pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte gebildet werden. Kohlenhydratreiche Produkte wie Vollkorngetreide und Kartoffeln bilden die zweite Stufe. Hier ist allerdings die Menge entscheidend. Ein verminderter Kohlenhydratkonsum kann sich nämlich positiv auf das Wohlbefinden bei Rheumatoider Arthritis auswirken.

Die nächste Stufe besteht überwiegend aus tierischen Produkten. Im Vergleich zur allgemeinen Ernährungsempfehlung sollten bei Rheumatoider Arthritis tierischen Produkte wie Fleisch, Milch, Milchprodukten und Eiern reduzieren. Denn diese enthalten den Botenstoff Arachidonsäure, der Entzündungen der Gelenke begünstigt.

Einige wissenschaftliche Studien konnten den günstigen Effekt von vegetarischer oder veganer Ernährung auf die Krankheitsaktivität zeigen. Als generelle Empfehlung kann dies nicht verstanden werden. Denn Fisch gilt als gutes Nahrungsmittel für Betroffene von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen - im Fischöl befindet sich Eicosapentaensäure (EPA), die Entzündungen abmildern kann. 

Öle und Fette, vorzugsweise pflanzliche, bilden die Spitze der Pyramide.

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Bei Rheuma bzw. Rheumatoider Arthritis wird also empfohlen

  • viel Obst und Gemüse
  • weniger kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Vollkorngetreide und Kartoffeln
  • weniger tierische Produkte wie Fleisch, Milch, Milchprodukten und Eiern
  • mehr Fisch

in den Ernährungsplan aufzunehmen. Zudem wird empfohlen,

  • Essen schonend zuzubereiten, um möglichst viele Nährstoffe zu erhalten und
  • auf stark verarbeitete Lebensmittel und raffinierten Zucker weitestgehend zu verzichten. [1-4]

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Darstellung der Ernährungspyramide für Mischkost

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Entzündungsbegünstigende vs. entzündungshemmende Nahrungsmittel

Rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung, die systemische Entzündungen in den Gelenken auslöst. Da diese den Körper zunehmend anstrengen und Schmerzen verschlimmern können, kann es hilfreich sein, auf Nahrungsmittel zu verzichten, die Entzündungen weiter antreiben.

Zu entzündungsbegünstigen Lebensmitteln zählen rotes Fleisch, Fertignahrungsmittel, insbesondere mit raffiniertem Zucker und Kohlenhydraten (z.B. Weißmehlprodukte) sowie frittierte Produkte und Alkohol.

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Im Gegensatz dazu können anti-inflammatorischer Nahrungsmittel mit vielen Antioxidantien Entzündung im Körper vorbeugen. Dazu gehören unter anderem Olivenöl, grünes Gemüse, Nüsse, fettiger Fisch, dunkle Beeren und dunkle Schokolade. Diese Nahrungsmittel bilden einen großen Bestandteil der mediterranen Ernährung, auf die im folgenden eingegangen wird.

Mediterrane Ernährung und Rheuma

Die mediterrane Ernährung, auch Mittelmeerkost genannt, basiert auf den traditionellen Essgewohnheiten des Mittelmeerraumes. Die Ernährungsweisen in Ländern des Mittelmeerraums unterscheiden sich zwar teilweise, überschneiden sich jedoch in mancherlei Hinsicht:

  • Täglicher Verzehr von Obst, Gemüse, nicht Vollkorngetreide und Milchprodukten
  • Olivenöl als hauptsächliches Koch- und Speisefett
  • Häufiger Verzehr von Fisch
  • Moderater Verzehr von Geflügelfleisch, Nüssen, Kartoffeln und Eiern
  • Seltener Verzehr von rotem Fleisch

Mahlzeiten werden vorwiegend frisch zubereitet, auf industriell vorgefertigte Nahrung wird verzichtet.

Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass eine mediterrane Ernährungsweise eine Reihe von gesundheitliche Vorteile für Patienten mit Rheumatoider Arthritis birgt.
Zu diesen zählen unter anderem

  1. Linderung von Schmerzen [5]
  2. Verbesserung der Beweglichkeit [5,6]
  3. Reduktion der Krankheitsaktivität [6]

Die mediterrane Ernährung zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Antioxidantien, einfach ungesättigten Fetten, Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffen und anderen bioaktiven Stoffen aus. Forschende nehmen an, dass die Vorteile dieser Ernährungsweise aus den entzündungshemmenden Eigenschaften der Nahrungsmittel und Zubereitungsweise stammt. Eine mediterrane Ernährungsweise könnte sich auch positiv auf das Darmmikrobiom auswirken, das bei der Rheumatoiden Artiritis eine Rolle spielt.

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Ketogene Ernährung und Rheuma

Die ketogene Ernährung ist eine spezielle Form der kohlenhydratarmen Ernährung, die darauf abzielt, den Körper in einen Zustand der Ketose zu versetzen. In der Ketose nutzt der Körper Fett anstelle von Kohlenhydraten als primäre Energiequelle. Dies wird erreicht durch eine drastische Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr und eine erhöhte Aufnahme von Fetten. Den dabei entstehenden Ketonkörpern (v.a. ß-Hydroxybutyrat) werden anti-oxidative und anti-inflammatorische Effekte zugeschrieben [7,8].

Die Hauptmerkmale und Prinzipien der ketogenen Ernährung umfassen

  • Niedriger Kohlenhydratanteil
    Die Kohlenhydratzufuhr wird typischerweise auf etwa 20-50 Gramm pro Tag begrenzt. Dies zwingt den Körper, seine gespeicherte Kohlenhydrate (Glykogenreserven) aufzubrauchen und in den Zustand der Ketose zu wechseln.
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  • Hoher Fettanteil
    Etwa 70-75% der täglichen Kalorienzufuhr stammen aus Fetten. Dies umfasst gesunde Fette wie Avocados, Nüsse, Samen, Olivenöl, Butter, Kokosöl und fetthaltige Fischsorten.
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  • Moderater Proteinanteil
    Proteine machen etwa 20-25% der täglichen Kalorienzufuhr aus. Zu viel Protein kann verhindern, dass der Körper in die Ketose eintritt, da überschüssiges Protein in Glukose umgewandelt werden kann.
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  • Ketose
    Dies ist der Zustand, in dem der Körper anfängt, Ketonkörper aus Fett als Hauptenergiequelle zu nutzen. Dies kann verschiedene gesundheitliche Vorteile mit sich bringen, wie Gewichtsverlust, verbesserte geistige Klarheit und Stabilisierung des Blutzuckerspiegels.

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Studien konnten zeigen, dass eine ketogene Diät günstig ist, um Gewicht zu reduzieren. Die antientzündlichen Effekte einer ketogenen Ernährung können auch Entzündungen einer Rheumatoiden Arthritis mindern [9].
Auf der anderen Seite entzieht der Verzicht auf Getreide, Obst, viele Gemüsesorten und andere gesunde Lebensmittel dem Körper jedoch zeitgleich benötigte Vitamine und Mineralstoffe. Menschen mit systemischen Entzündungen wie der Rheumatoiden Arthritis wird daher nicht zu einer ketogenen Diät geraten. Insbesondere, da klinische Studien zu den Effekten von ketogener Ernährung auf Rheumatoide Arthritis bislang fehlen [9].

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Vegetarische Ernährung und Rheumatoide Arthritis

Eine vegetarische Ernährung beschreibt eine Ernährung, in der auf Fisch und Fleisch gänzlich verzichtet wird. Innerhalb der vegetarischen Ernährung gibt es weitere Abstufungen, einschließlich

  • Lacto-Ovo-Vegetarier: Verzicht auf Fisch und Fleisch, Konsum von Milchprodukten (Lacto) und Eiern (Ovo)
  • Lacto-Vegetarier: Verzicht auf Fisch, Fleisch und Eier, Konsum von Milchprodukten
  • Ovo-Vegetarier: Verzicht auf Fisch, Fleisch und Milchprodukten, Konsum von Eiern
  • Veganer: Verzicht auf alle tierischen Produkte, oft auch Honig

Bei einer pflanzlichen Ernährung entfallen viele potenzielle Auslöser für Entzündungen wie gesättigte Fette, verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Zudem ist die Ernährungsweise reich an Ballaststoffen und Antioxidantien, was die entzündungshemmende Wirkung einer vegetarischen Ernährung stützt. [13]

Grundsätzlich birgt eine vegetarische Ernährung viele gesundheitliche Vorteile. Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass eine vegetarische Ernährungsweise bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis unter anderem eine

  1. Linderung von Schmerzen [10]
  2. Reduktion von Gelenkschwellungen und -entzündungen [11]
  3. Reduktion des Risikos für eine schwere RA durch Gewichtsregulation [12]

unterstützt:

Eine Studie konnte zeigen, dass eine 4-wöchige vegane Diät zu einer 53%igen Verringerung von RA-Schmerzen und Gelenkschwellungen und -entzündungen führte [11]. Eine andere ergab, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis, die sich einer 7- bis 10-tägigen Fastenkur unterzogen, gefolgt von einer 3,5-monatigen glutenfreien veganen Diät und einer anschließenden 9-monatigen laktovegetarischen Diät, im Vergleich zu einer omnivoren Kontrollgruppe signifikante Verbesserungen bei Symptomen wie der Anzahl zarter/geschwollener Gelenke, Schmerzen, Morgensteifigkeit, Griffstärke und Entzündungsmarkern zeigten. Diese Verbesserungen blieben bei den Patienten, die gut auf die vegetarische Ernährung ansprachen, auch nach 1 Jahr erhalten [10]. Auch konnte eine Studie darlegen, eine vegetarische Ernährung zur Reduktion von Übergewicht beitragen und so das Risiko für eine schwere RA senken kann [12].

Allerdings können diätetische Maßnahmen allein die RA nicht ohne Medikamente behandeln, und die Vorteile sind individuell. Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung wird als Ergänzung zur Standardbehandlung der RA empfohlen. Wichtig ist jedoch, sich gut mit der Ernährungsweise auseinander zu setzen, um Nährstoffmängeln vorzubeugen.

Aktuell ist die Studienlage zur Ernährung bei Rheumatoiden Arthritis noch gering. Trotzdem empfehlen Expert:innen die Ernährung als unterstützende Maßnahme zu betrachten, auch wenn sie keinesfalls die medikamentöse oder chirurgische Therapie ersetzen kann. Zudem ist Vorsicht vor einseitigen Rheuma-Diäten geboten, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Es lohnt sich aber auf jeden Fall sich ganz bewusst mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen.

Als Daumenregel gilt:

  1. Vermeide entzündungsfördernde Lebensmittel: Reduziere den Konsum von rotem Fleisch, Fertignahrungsmitteln mit raffiniertem Zucker und Kohlenhydraten, frittierten Produkten und Alkohol. Versteckter Zucker ist in einigen Lebensmitteln gar nicht so leicht zu erkennen.
  2. Nimm vermehrt entzündungshemmende Lebensmittel zu dir: Integriere Olivenöl, grünes Gemüse, Nüsse, fettigen Fisch, dunkle Schokolade und Beeren in deine Ernährung.
  3. Gewichtskontrolle: Halte dein Gewicht im gesunden Rahmen, da Übergewicht die Gelenke zusätzlich belasten kann.

Mit unseren Tipps und einigen kleinen Anpassungen - wie mehr Gemüse und Fisch und weniger Fleisch und Fertiggerichten - kannst du deine Symptome lindern und dein Wohlbefinden verbessern.

Zudem ist es ratsam radikalere Ernährungsumstellungen mit einem Arzt oder Ernährungsberater zu besprechen, wenn du dich bislang nicht oder nur wenig mit dem Thema Ernährung auseinander gesetzt hast.

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