Schlafprobleme bei Multipler Sklerose

Schlaflosigkeit, Atemstörungen und das Restless-Leg-Syndrom. Warum können diese Schlafprobleme insbesondere Menschen mit Multipler Sklerose beeinträchtigen?

Veröffentlicht am

26.2.2024

Zuletzt aktualisiert am

24.5.2024

Schlafprobleme sind ein häufiger Begleiter bei Multiple Sklerose. Sie können sich u.a. durch Schlaflosigkeit, schlafbezogene Atemstörungen oder auch durch das Restless-Legs-Syndrom äußern.

Dieser Artikel beschreibt Schlafprobleme, die bei einer Multiplen Sklerose häufig sind und erklärt mögliche Ursachen.

Was sind häufig auftretende Schlafprobleme bei Multipler Sklerose?

Mehr als die Hälfte der MS Patienten berichten im Laufe der Erkrankung von Schlafproblemen. Zu häufigen Schlafproblemen zählen unter anderem Schlaflosigkeit, Atemstörungen im Schlaf und das Restless-Leg-Syndrom. Die Gründe für Schlafprobleme bei Multipler Sklerose sind so Vielfältig wie die Erkrankung selbst.

Schlaflosigkeit

Von Schlaflosigkeit spricht man bei Problemen beim Einschlafen, Durchschlafen oder bei zu frühem Aufwachen. Schlaflosigkeit betrifft fast 50 % der MS-Patienten.

Die Ursachen für Schlaflosigkeit sind sehr Vielfältig. Zum einen können typische Symptome der Multiplen Sklerose wie Schmerzen, Spastiken, Blasenfunktionsstörungen, insbesondere Nykturie, und Depressionen zu Schlafstörungen führen. Auch Stress und geistige Anspannung können zu Schlafproblemen führen. Zum anderen können Basistherapien der MS Schlafstörungen bedingen. So wird beispielsweise angenommen, dass Kortisol die Menge des Schlafhormons Melantonin im Blut senkt, welches maßgeblich für den Schlafrhythmus verantwortlich ist. [1,2]

Atemstörungen im Schlaf

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Als solche ist sie sehr komplex, weshalb sie auch die Erkrankung der tausend Gesichter genannt wird. Atemstörungen sind häufiger bei MS-Patienten als bei Menschen ohne Multiple Sklerose. Zu schlafbezogenen Atemstörungen (SDB) zählen unter anderem Atemaussetzer (Nicht-Atmung) sowie laute und/oder unregelmäßige Atemgeräusche.  Atemstörungen treten bei mindestens einem von fünf Patienten auf. Das vermehrte Auftreten von Atemstörungen im Schlaf ist vermutlich multifaktoriell beeinflusst und wird bedingt durch die neurologischen Auswirkungen von MS-Läsionen,  die Beeinträchtigung der Atemmuskulatur und die medikamentöse Behandlung.

Es gibt verschiedene potenzielle Gründe, warum schlafbezogene Atmungsstörungen (SDB), einschließlich obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und zentraler Schlafapnoe (CSA), bei Patienten mit Multipler Sklerose stärker ausgeprägt sind:

  • Entzündungen
    Chronische Entzündungen bei MS können zu einer Verengung und Instabilität der oberen Atemwege beitragen, was zu obstruktiven Ereignissen während des Schlafs führen kann. [4]
  • Schwäche der Atemmuskulatur
    MS kann zu einer Schwäche der Atemmuskulatur wie des Zwerchfells und der Zwischenrippenmuskeln führen, wodurch deren Fähigkeit, während des Schlafs eine angemessene Ventilation aufrechtzuerhalten, verringert wird. [4]
  • Hirnstamm-Läsionen
    MS-Läsionen im Hirnstamm können die neuronale Steuerung der Atmung während des Schlafs beeinträchtigen, was zu zentralen Apnoen und Hypopnoen führt. Patienten mit Hirnstammbeteiligung weisen im Vergleich zu Patienten ohne Hirnstammläsionen eine deutlich höhere Rate an SDB auf. [5]
  • Autonome Dysfunktion
    Autonome Dysregulationen aufgrund von MS-Gehirnläsionen können die Durchlässigkeit der oberen Atemwege und die Mechanismen zur Kontrolle der Atmung während des Schlafs beeinträchtigen. [4]

  • Auswirkungen von Medikamenten
    Bestimmte Medikamente, die zur Behandlung von MS eingesetzt werden, wie z. B. Kortikosteroide, Antidepressiva und Muskelrelaxantien, können den Atemantrieb dämpfen oder zu einer Sedierung führen, was das Risiko für SDB erhöht. [4]
  • Übergewicht & Fettleibigkeit
    Auch wenn es sich nicht um eine direkte Ursache handelt, ist die erhöhte Prävalenz von Fettleibigkeit bei MS-Patienten aufgrund von Faktoren wie eingeschränkter Mobilität und Steroideinnahme ein Risikofaktor für obstruktive Schlafapnoe. [4]

Restless-leg-Syndrom

Das Syndrom der unruhigen Beine (Restless Legs Syndrome, RLS) beschreibt den unwiderstehlichen Drang die Beine zu bewegen. Häufig wird das Restless-leg-Syndrom begleitet von unangenehmen Empfindungen wie Kribbeln, Krabbeln oder Schmerzen, insbesondere in Ruhe oder im Liegen. RLS ist kein Symptom von MS, aber eine häufige Begleiterscheinung. Das RLS tritt bei etwa 23-26% der MS-Patienten auf, verglichen mit 5-15 % in der Allgemeinbevölkerung [6,7].

Die genaue Ursache für die erhöhte RLS-Prävalenz bei MS-Patienten ist noch nicht bekannt. Forscher vermuten, dass sie mit der durch MS verursachten Nervenschädigung und Demyelinisierung zusammenhängt, die möglicherweise dopaminerge Bahnen betrifft [7]. RLS bei MS-Patienten geht mit einer schlechteren Schlafqualität, erhöhter Müdigkeit, Tagesschläfrigkeit, Depressionen und einer verminderten Lebensqualität einher.

Faktoren, die das Auftreten des RLS bei MS Patienten beeinflussen umfassen

  • das Geschlecht
  • die Symptomschwere der MS
  • den Behinderungsgrad
  • Läsionen des Rückenmarks

Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass das RLS auftritt bei Betroffenen erhöht die weiblich sind, mehr MS-Symptome haben, höhere Behinderungswerte aufweisen und Läsionen des Rückenmarks haben [8].

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Schlafprobleme sind häufige Begleiter bei einer Multiplen Sklerose. Gesunder Schlaf ist jedoch wichtig für die Gesundheit. Solltest du unter Schlafproblemen leiden, besprich diese am besten mit deinem behandelnden Arzt, um deinen Schlaf zu verbessern und so deine Lebensqualität zu steigern.

[1] Fleming WE, Pollak CP. Sleep disorders in multiple sclerosis. Semin Neurol. 2005 Mar;25(1):64-8. doi: 10.1055/s-2005-867075. PMID: 15798938.

[2] Čarnická Z, Kollár B, Šiarnik P, Krížová L, Klobučníková K, Turčáni P. Sleep disorders in patients with multiple sclerosis. J Clin Sleep Med. 2015 Apr 15;11(5):553-7. doi: 10.5664/jcsm.4702. PMID: 25700869; PMCID: PMC4410929.

[3] Bradley TJ. Sleep Disorders in Patients With Multiple Sclerosis. PN 2028 abgerufen am 25.05.2024 unter https://practicalneurology.com/articles/2018-july-aug/sleep-disorders-in-patients-with-multiple-sclerosis

[4] Hensen HA, Krishnan AV, Eckert DJ. Sleep-Disordered Breathing in People with Multiple Sclerosis: Prevalence, Pathophysiological Mechanisms, and Disease Consequences. Front Neurol. 2018 Jan 15;8:740. doi: 10.3389/fneur.2017.00740. PMID: 29379466; PMCID: PMC5775511.

[5] Braley TJ, Segal BM, Chervin RD. Sleep-disordered breathing in multiple sclerosis. Neurology. 2012 Aug 28;79(9):929-36. doi: 10.1212/WNL.0b013e318266fa9d. Epub 2012 Aug 15. PMID: 22895593; PMCID: PMC3425840.

[6] Hernández LL et al. Restless legs syndrome in patients with multiple sclerosis: evaluation of risk factors and clinical impact. Neurología Vol. 37. Issue 2. pages 83-90 (March 2022) DOI: 10.1016/j.nrleng.2018.12.018

[7] Li Y, Munger KL, Batool-Anwar S, De Vito K, Ascherio A, Gao X. Association of multiple sclerosis with restless legs syndrome and other sleep disorders in women. Neurology. 2012 May 8;78(19):1500-6. doi: 10.1212/WNL.0b013e3182553c5b. Epub 2012 Apr 25. PMID: 22539566; PMCID: PMC3345617.

[8] Monschein T, Schestak C, Schillerwein-Kral C, Leutmezer F, Berger T, Bsteh G, Seidel S. Restless Legs Syndrome in Multiple Sclerosis: Risk factors and effect on sleep quality - a case-control study. Mult Scler Relat Disord. 2021 Jun;51:102916. doi: 10.1016/j.msard.2021.102916. Epub 2021 Mar 21. PMID: 33799283.