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MS und Stress

Evolutions-biologisch versetzt Stress den Körper sich in Alarmbereitschaft, wenn Gefahrensituationen wir beispielsweise ein sich näherndes Raubtier, bevorstehen. Dabei wird die Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol angeregt, die Muskulatur wird stärker durchblutet und die Atem- und Herzfrequenz steigen. Der Körper ist in Alarmbereitschaft versetzt und bereit vor Gefahren zu fliehen. Ist die Gefahr vorbei, baut der Körper die Hormone ab und der Körper entspannt sich wieder.

Stress ist also eine natürliche Reaktion des menschlichen Körpers. Er ist eine physiologische Reaktion, die darauf abzielt, den Körper auf eine potenziell gefährliche Situation vorzubereiten. Heute bestehen Gefahren weniger in der Flucht vor Raubtieren. Im Alltag, Beruf oder der Freizeit gibt es unzählige Auslöser von Stress, sogenannte Stressoren. Zu den häufigsten Stressoren zählen heute Zeitmangel, Termindruck, zu viele Aufgaben und Überforderung, Angst und Trauer. Stress kann zu Höchstleistungen befähigen, kann aber auch krank machen.

Nichtsdestotrotz benötigt der Körper Stress, um zu entspannen. Dabei wird zwischen positivem und negativem Stress unterschieden. Man spricht von Eustress und Disstress.

Positiver Stress - Eustress

Die Anspannung vor einem ersten Kuss, Aufregung vor der eigenen Hochzeit, das Gefühl beim Betreten eines Prüfungsraums oder kurz vor einem Wettkampf: Alle Sinne sind hellwach, Anspannung breitet sich aus. Dieses Gefühl des Stresses ist von Euphorie, (Vor-)Freude, Begeisterung geprägt. Eustress tritt also in Situationen auf, die herausfordernd, schwierig und neuartig sein können, aber gleichzeitig gewollt und lösbar erscheinen.

Kurzfristig schüttet der Körper das Stresshormon Cortisol aus, dass unter anderem für besondere Aufmerksamkeit und Fokus sorgt. Eustress beflügelt und kann auch langfristig die Gesundheit fördern, indem er unsere Vitalität und Ausgeglichenheit fördert. Dieser positive Stress gilt auch als Antriebsmotor für Schaffenskraft, Kreativität, Aufmerksamkeit oder Konzentration. Auch die Motivation fällt unter positiven Stress, beispielsweise wenn man ein neues Projekt bei der Arbeit bekommen hat, auf das man Lust hat.

Ist die Situation gemeistert und die Anspannung vergangen, wird das Stresshormon Cortisol nicht weiter ausgeschüttet. Eustress hat keine langfristigen Folgen auf Körper und Geist. Auch zur Regeneration von Eustress benötigt der Körper Erholungsphasen.

Negativer Stress - Disstress

Steckt man mitten in seiner neuen lieb gewonnenen Arbeit und merkt langsam, dass man das Projekt nicht mehr bis zur Deadline erledigen kann, besteht die Gefahr, dass sich selbst zu sehr unter Druck zu setzen. Dabei kann sich der zunächst positive Stress, in negativen Stress wandeln. Dieser Prozess ist meist fließend. Während Eustress sich auf einen kurzen definierten Zeitraum bezieht, erstreckt sich Disstress häufig über einen längeren Zeitraum.

Negativer Stress entsteht demnach häufig in Situationen in denen wir uns "Druck" ausgesetzt fühlen und beschreibt eine Anpassungsreaktion auf eine herausfordernde Situation. Disstress kann ausgelöst werden durch Überforderung (beruflich oder ein Hobby), fremdgesteuerten Freizeitstress, überladene Emotionen oder Krankheit entstehen. Stressoren, also die Auslöser von Stress, sind individuell. Auch die Wahrnehmung von Stress mitsamt seiner körperlichen und psychischen Reaktionen unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Disstress kann zum Beispiel zu folgenden physiologischen Reaktionen im Körper führen:

  • Steigerung der Herzfrequenz (Puls wird schneller)
  • Schnellere Atmung
  • Schweißproduktion
  • Trockener Mund
  • Muskelzittern
  • Gefühl der Nervosität, innere Unruhe, Anspannung

Negativer Stress birgt Risiken, wenn es chronisch wird.

Folgen von chronischem Stress

Stellt sich das Gefühl ein, dauerhaft gestresst zu sein und fehlen ausreichende Entspannungsphasen, kann Stress bzw. chronischer Stress der Gesundheit schaden.

Folgen chronischen Stresses umfassen unter anderem

  • Magen-Darm-Problemen
  • Stress-Magengeschwüre (Magen Ulcus)
  • erhöhter Blutdruck
  • erhöhte Blutzuckerwerte
  • Muskelverspannungen
  • Schmerzen des Bewegungsapparates
  • Erschöpfungszustand
  • Depression
  • Burn-Out

Auch das Immunsystem kann durch Stress beeinflusst werden. Im Immunsystem wird zwischen der spezifischen und unspezifischen Immunabwehr unterschieden. Die spezifische Immunabwehr ist die lernfähige Abwehr. Sie entwickelt spezifische Abwehrzellen, die bestimmte Erreger eliminieren können. Die unspezifische Abwehr dagegen ist angeboren und unveränderbar. Sie umfasst unspezifische Abwehrreaktionen, wie zum Beispiel Entzündungsreaktionen.

Bei akutem Stress wird die unspezifische Immunabwehr verstärkt eingesetzt. Dies führt zur vermehrten Produktion von weißen Blutkörperchen. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind spezifische Fresszellen, die auch  "natürliche Killer-Zellen" genannt werden. Sie haben die Aufgabe, den Körper gegen Infektionserreger und Schadstoffe zu verteidigen und sind Elementar im Immunsystem. Durch die vermehrte Produktion weißer Blutkörperchen werden spezifische Abwehrzellen gehemmt, sie vermehren sich langsamer. Parallel forciert der Körper die Produktion von unspezifischen Abwehrzellen. Aus evolutionsbiologischer Sicht bereitet sich der Körper darauf vor, körperliche Schäden zu heilen.

Im Gegensatz zum akuten Stress, beeinflusst chronischer Stress beide Abwehrmechanismen des Körpers. Die Abwehrzellen werden langsamer produziert und die Aktivität des Immunsystems wird herunter gefahren. Der Körper wird deutlich anfälliger für Infektionen wie beispielsweise Erkältungen oder Viruserkrankungen da die Immunabwehr geschwächt ist. Gleichzeitig werden auch körpereigene Heilungsprozessen gestört und verlangsamt.

Stress bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Studien zufolge kann Stress, insbesondere chronischer Stress, das Risiko für einen akuten Schub erhöhen. Zwar ist der Mechanismus wie Stress eine MS beeinflusst noch nicht gänzlich geklärt, Forschende vermuten jedoch, dass MS-Schübe durch die Wirkung von Stress auf das Immunsystem bedingt wird.

Die gute Nachricht? Der Umgang mit Stress lässt sich beeinflussen - und somit auch der Verlauf einer Multiplen Sklerose.

Mit Stress umgehen

Zwar lässt sich Stress oft nicht vermeiden, aber ein gesunder Umgang mit ihm üben. Folgende alltagstaugliche Tipps, können dabei helfen Stress begegnen bzw. ihn zu moderieren.

1. Schritt für Schritt

Nicht alle Aufgaben lassen sich an einem Tag erledigen. Es ist ratsam sich Tagesziele zu setzen. Sind diese Ziele eher klein, sorgen Erfolgsmomente beim Erreichen für positive Gefühle. Gehe Schritt für Schritt vor und überfordere dich nciht. Hast du Ziele an einem Tag nicht erreicht, setze dir für den kommenden Tag kleinere.

2. Pausen

Pausen sind wichtig, um mit Stress umzugehen und kurzzeitig für Entspannung zu sorgen. Empfohlen wird dabei, äußere Einflüsse, wie zum Beispiel über das Handy, zu minimieren. Eine Tasse Tee oder verweilen an der frischen Luft können helfen - auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht langweilig scheinen mag. Bei akuter Müdigkeit kann auch ein kurzer Schlaf helfen, sofern er nicht länger als 20-25 Minuten dauert, da ab dann eine tiefere Schlafphase folgen kann nach der man sich müder fühlt als vorher.

3. Nachsicht & Resilienz

Nicht zu streng zu sich selbst zu sein, die persönlichen Anforderungen herunter zuschrauben und sich frei zumachen von Meinungen anderer ist leichter gesagt als getan. Resilienz umschreibt die Fähigkeit schwierige Lebenssituationen zu überstehen, ohne sich zu übernehmen. Stress-Bewältigungstechniken wie Resilienzübungen können sich nicht nur positiv auf deine Psyche auswirken, sondern auch das Immunsystem positiv beeinflussen.

4. Dankbarkeit

Dankbarkeitsübungen können helfen, den Fokus auf Positives zu lenken. Beispielsweise regelmäßige Dankbarkeitsübungen vor dem Einschlafen können positive Gefühle hervorrufen und zum Einschlafen für Entspannung sorgen. Auch ein neues Hobby, das Freude bereitet, kann das Selbstbewusstsein und den Selbstwert durch neu erlernte Fähigkeit steigern.

5. Entlastende Gespräche

Psychische und emotionale Belastungen können ebenfalls physischen Stress auslösen. Um diese Belastung zu moderieren, können entlastende Gespräche mit Vertrauten helfen. Dazu zählen der/die Partner:in, Freunde und Familie. Versuche, dich zu öffnen und über deine Sorgen, Ängste, Gedanken zu sprechen. Diese Dinge laut auszusprechen und mit Vertrauten zu teilen, kann viel Ballast nehmen.