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Menopause und Multiple Sklerose

Deutlich mehr Frauen als Männer sind von Multipler Sklerose betroffen. Aus diesem Grund ist das Thema Menopause bei Multipler Sklerose von großer Relevanz. Denn das betrifft jede Betroffene im Laufe der Erkrankung. Es bestehen einige Gerüchte und Unklarheiten bezüglich des Zusammenhangs von Multipler Sklerose und der Menopause, mit denen wir in diesem Artikel aufräumen.

Menopause & Multiple Sklerose

Ob Menopause, Klimakterium oder die sogenannten “Wechseljahre”, jede Frau durchlebt diese Jahre der Hormonumstellung. Doch was genau passiert bei der Menopause überhaupt? Der Menstrual-Zyklus ist ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen, die von den Eierstöcken und der Gebärmutter ausgeschüttet und reguliert werden. Ein Zyklus dauert in der Regel 28 Tage und dieser wiederholt sich über 30-45 Jahre. Dieser Zeitraum begründet sich auf der Tatsache, dass Frauen mit einer festen Anzahl primärer Einzellen geboren werden, somit ist die Anzahl der ovarialen Zyklen begrenzt. Mit dem Ende des Menstrual-Zyklus beginnt die Menopause und die Unfruchtbarkeit der Frau. Da dieser Vorgang mit einer Reihe hormoneller Schwankungen einhergeht, kann es zu verschiedenen Symptomen kommen. Viele Patientinnen berichten von Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Schlafstörungen. Auch depressive Verstimmungen und eine erhöhte Reizbarkeit sind nicht selten. Die Menopause kann sich vielseitig äußern, daher bleiben viele Symptome hier unerwähnt.

Die Menopause stellt schon für gesunde Frauen eine Herausforderung dar. Deshalb ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass sie bei MS-Patientinnen, welche vermehrt unter Begleiterkrankungen und körperlichen Einschränkungen leiden, häufiger zu Problemen führen kann. Ein Beispiel sind hier die Hitzewallungen. Im Zuge der MS-Erkrankung kann es zu dem sogenannten Uhthoff-Phänomen kommen. Dieses Phänomen umfasst einen Abfall der Leistungsfähigkeit und/oder eine Verschlechterung der MS-Symptomatik durch eine erhöhte Körpertemperatur oder Hitze. Dieser Zusammenhang verdeutlicht, dass die Betroffenen sensibler auf bestimmte Symptome der Wechseljahre reagieren können.
Eine weitere Problematik beschreibt der Begriff der “Overlap-Symptome”. Sowohl die MS als auch die Menopause können eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen. Einige dieser Symptome kommen bei beiden Prozessen vor. Daher ist es schwer zu differenzieren, ob sie durch die MS oder die Menopause bedingt sind. Beispiele sind hier unter anderem die Fatigue oder die Inkontinenz.

Menopause & MS-Schübe

Immer wieder wird thematisiert, ob die Menopause zu vermehrten Schüben führt. Aktuell gibt es keinen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen einer Verschlechterung der MS oder der MS-Symptome und den Wechseljahren.
Trotzdem lässt sich die Tatsache nicht widerlegen, dass sich im Alter der Wechseljahre gehäuft ein sekundär progredienter Verlauf der MS zeigt, Schübe werden in dieser Zeit seltener, jedoch erfolgt eine langsame Zunahme körperlicher Einschränkungen. Diese Entwicklung zeigt sich jedoch ebenfalls bei Männern, was darauf hindeutet, dass kein Zusammenhang zur Menopause besteht.

Hormonersatztherapie (HET)

Ob eine Behandlung mittels der Hormonersatztherapie in Erwägung gezogen werden sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten und sollte mit dem:r behandelnden Ärzt:in besprochen werden.

Dennoch wollen wir auf bestimmte Punkte eingehen und Klarheit schaffen. Früher wurde die Hormonersatztherapie häufig empfohlen, heute ist sie umstritten - warum?
Verschiedene Studien zeigen, dass die HET das Risiko für einen spezifischen Brustkrebs und auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Dabei ist jedoch zu beachten, dass eine weitere Studie zeigen konnte, dass die Sterblichkeit unter der HET nicht erhöht ist. Das bedeutet, dass trotz der häufiger auftretenden Gefahr für Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Lebensdauer gleich ist.
Im Resultat sollte jede Frau und ihre Gesundheit individuell betrachtet werden, um alle relevanten Risikofaktoren zu berücksichtigen:

  • Gibt es vorbestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
  • Bestehen andere Risikofaktoren, die Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen, wie z.B. Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas, Fettstoffwechselstörungen?
  • Treten in der Familie gehäuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf?
  • Besteht ein Nikotinkonsum?
  • Sind Brustkrebserkrankungen in der Familie bekannt?

Die bestehenden Risiken für Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können dabei weiter verringert werden, wenn ein engmaschiges Screening und regelmäßige Kontrollen erfolgen. Dies ist natürlich auch bei Nicht-MS-Patientinnen von größter Relevanz.

Trotz dieser Risiken der HET bringt sie aber natürlich auch einige Vorteile mit sich. Die HET verringert die klassischen Symptome der Wechseljahre. Sie hat beispielsweise einen positiven Effekt auf die Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Depression, trockene Schleimhäute (insbesondere vaginal) oder auch den Verlust der Libido.

Osteoporose
Die HET beeinflusst nicht nur die oben genannten Symptome, sondern hat ebenfalls eine Art “Anti-Aging-Effekt”. Dies bezieht sich beispielsweise auf die Haut (die Elastizität), aber ebenfalls auf die Knochengesundheit. Letzteres ist von großer Bedeutung. Denn das Hormon Östrogen unterstützt den Knochenaufbau. Da die Östrogenproduktion in den Wechseljahren reduziert ist, kommt es zu einer Abnahme der Knochendichte.

Dies kann im Rahmen der MS zu Problemen führen, weil viele Patient:innen durch wiederholte Kortison-Stoßtherapien im Verlauf der Erkrankung bereits eine verminderte Knochendichte aufweisen. Das Risiko, sich bei einem Sturz eine Fraktur zuzuziehen, ist dadurch erhöht. Aufgrund der oben genannten Risiken ist die Hormonersatztherapie nicht für jede Patientin das Mittel der Wahl. Neben der HET gibt es daher auch noch andere Wege, gegen die Abnahme der Knochendichte vorzugehen.

Empfohlen wird ausreichend Bewegung, kombiniert mit einer gesunden, ausgewogenen und calciumreichen Ernährung (viel Fisch, Quark, Joghurt, Gemüse). Außerdem können spezifische Medikamente in Rücksprache mit den behandelnden Ärzt:innen in Erwägung gezogen werden. In unserem Blog-Artikel zum Thema Osteoporose bei MS kannst du mehr darüber lesen.

Bewältigung der Menopause: Weitere Maßnahmen und Tipps für den Alltag

Um die Beschwerden der Menopause abzumildern, gibt es viel Möglichkeiten. Studien zeigen eine signifikante Besserung der Symptome unter einer kognitiven Verhaltenstherapie.
Auch soll die Akupunktur das Auftreten von Hitzewallungen deutlich reduzieren.

Vielleicht helfen dir diese Tipps für den Alltag bereits:

  • Ein gesunder Lebensstil
  • Viel Bewegung und frische Luft
  • Sport
  • Kein Rauchen und Alkohol nur in Maßen
  • Eine ausgewogene Ernährung (Ballaststoffe, Vollkornprodukte, Kohlenhydrate und Zucker reduzieren, viel Gemüse, Obst, Fisch)
  • Yoga
  • Achtsamkeitsübungen (z.B. regelmäßige Meditation, Atemübungen, progressives Muskeltraining)

Zusammenfassung

Menopause und Multiple Sklerose sind ein sehr komplexes Thema ohne eine einfache Lösung. Patientinnen erleben die Wechseljahre unterschiedlich stark ausgeprägt und unterliegen dementsprechend auch einem individuellen Leidensdruck. Unter persönlicher Nutzen-Risiko-Abwägung kann jede Patientin ihren Weg in dieser herausfordernden Situation ausmachen. Es lohnt sich bei Bedarf ausführlich mit Ärzt:innen zu sprechen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.