Cortisol - Mehr als nur das Stresshormon

Veröffentlicht am
24.9.2024
Zuletzt bearbeitet am
5.8.2026
Lesedauer:
5 Minuten

Werde dein persönlicher Gesundheitsmanager - mit Fimo Health

Erhalte umfassendes Wissen über deine Erkrankung, verfolge deine Symptome und identifiziere wichtige Einflussfaktoren. Übernimm die Kontrolle über deine Gesundheit und steigere deine Lebensqualität mit der Fimo Health App.
Jetzt kostenlos herunterladen:
GooglePaytore
Appstore Apple

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Nebennierenrinde produziert wird. Es wird oft als "Stresshormon" bezeichnet, da es in stressigen Situationen vermehrt ausgeschüttet wird.

Cortisol spielt jedoch eine viel umfassendere Rolle im Körper als nur die Reaktion auf Stress. Es beeinflusst eine Vielzahl von physiologischen Prozessen, darunter den Stoffwechsel, das Immunsystem und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Ein zu hoher oder zu niedriger Cortisolspiegel kann erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben.

Dieser Artikel beschreibt die Funktionen von Cortisol im menschlichen Körper und was passiert, wenn der Cortisolspiegel aus dem Gleichgewicht gerät.

Funktionen von Cortisol im Körper

Cortisol zählt zur Gruppe der Glukokortikoide. Es ist ein für den Menschen lebensnotwendiges Hormon, das für eine Vielzahl an Prozessen im Körper benötigt wird.

Es wird auch als Stresshormon bezeichnet, da es bei Stress vermehrt ausgeschüttet wird, um seine Funktionen im Körper zu entfalten.

Die Effektstärke von Cortisol entspricht dabei der Cortisolkonzentration. Je mehr Cortisol ausgeschüttet wird, desto stärker können Auswirkungen sein.

‍

1. Stressreaktion

Cortisol ist ein zentrales Hormon im Rahmen der Stressantwort. Wenn der Körper mit einer stressigen Situation konfrontiert wird, wird vermehrt Cortisol freigesetzt.

Stress umfasst mentalen Stress sowie körperlichen Stress. Körperlicher Stress meint beispielsweise Infektionen, Traumata, Verletzungen oder Operationen.

Infolge der steigenden Cortisolspiegels steigt der Blutdruck, das Herz schlägt schneller und Energie wird vermehrt bereitgestellt. Der Körper wird darauf vorbereitet, die stressige Situation zu bewältigen [1].

‍

2. Stoffwechselregulation

Cortisol beeinflusst den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Dabei wirkt es katabol, also energiebereitstellend. Es fördert die Umwandlung von Speicherkohlenhydraten zu Glukose, den Abbau von Proteinen in der Muskulatur sowie die Umwandlung von Aminosäuren in Glukose in der Leber, um den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Dies stellt dem Körper eine schnelle Energiequelle zur Verfügung, insbesondere in stressigen oder herausfordernden Situationen [1-4].

In der Konsequenz kann sich insbesondere chronischer Stress durch erschwerten Muskelaufbau bzw. Muskelerhalt äußern. Auch wird verstärkt viszerales Fett angesetzt. Viszerales Fett ist Fett, das im Körperinneren um die Organe im Bauchraum ansetzt [5].

‍

3. Immunsystem

Cortisol wirkt entzündungshemmend und immunmodulierend. In akuten Stresssituationen hemmt es die Aktivität des Immunsystems, um Entzündungen zu reduzieren und den Körper vor überschießenden Immunreaktionen zu schützen [6]. Aus diesem Grund werden synthetische Glukokortikoide wie Cortison als Medikamente zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen und Autoimmunstörungen eingesetzt.

‍

4. Regulation des Blutdrucks

Cortisol beeinflusst die Blutgefäße und trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei. Ein niedriger Cortisolspiegel kann daher zu einem gefährlich niedrigen Blutdruck führen, während ein erhöhter Spiegel den Blutdruck über das normale Maß hinaus ansteigen lassen kann [6].

‍

5. Schlaf-Wach-Rhythmus

Cortisol folgt einem zirkadianen Rhythmus, d. h., sein Spiegel schwankt im Laufe des Tages. Morgens ist der Cortisolspiegel am höchsten, was dazu beiträgt, den Körper für den Tag zu aktivieren. Gegen Abend sinkt der Spiegel ab, was den Körper auf den Schlaf vorbereitet. Eine Störung dieses Rhythmus, etwa durch chronischen Stress, kann zu Schlafproblemen führen [7,8].

‍

‍

Zu hoher Cortisolspiegel (Hyperkortisolismus)

Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel wird als Hyperkortisolismus bezeichnet. Ein häufiger Auslöser für einen erhöhten Cortisolspiegel ist anhaltender Stress. In einigen Fällen kann jedoch auch das sogenannte Cushing-Syndrom vorliegen, eine Erkrankung, bei der der Körper zu viel Cortisol produziert, entweder durch eine Störung der Nebennieren oder durch eine Überproduktion von ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) in der Hirnanhangsdrüse.

Ein hoher Cortisolspiegel kann zahlreiche gesundheitliche Probleme verursachen [9]. Zu diesen zählen

  • Gewichtszunahme
    Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel fördert die Speicherung von Fett, insbesondere im Bauchbereich. Dies ist auf eine erhöhte Glukoseproduktion und den gestörten Fettstoffwechsel zurückzuführen [1-4]
    ‍
  • Bluthochdruck
    Cortisol führt zu einer Verengung der Blutgefäße und erhöht damit den Blutdruck. Ein langanhaltender Bluthochdruck kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
    ‍
  • Schwächung des Immunsystems
    Cortisol hemmt das Immunsystem, um alle Ressourcen auf die Bewältigung der stressigen Situation zu richten. Ist der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht und das Immunsystem dauerhaft gehemmt, kann diese chronische Hemmung der Immunantwort die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
    ‍
  • Schlafstörungen und Müdigkeit
    Ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel kann den zirkadianen Rhythmus stören und zu Schlaflosigkeit sowie chronischer Müdigkeit führen.
    ‍
  • Kognitive Beeinträchtigungen
    Langfristiger Stress und hoher Cortisolspiegel können das Gehirn beeinträchtigen, insbesondere den Hippocampus, der für das Gedächtnis und Lernen wichtig ist.

‍

‍

Zu niedriger Cortisolspiegel (Hypokortisolismus)

Ein zu niedriger Cortisolspiegel wird auch Hypokortisolismus genannt. Die häufigste Ursache für einen stark verringerten Cortisolspiegel ist die Addison-Krankheit, bei der die Nebennieren nicht mehr genügend Cortisol produzieren. Auch eine Unterfunktion der Hypophyse, die die Produktion von ACTH steuert, kann zu niedrigen Cortisolwerten führen.

Zu niedrige Cortisollevel können mit verschiedenen Symptomen einhergehen [10]. Zu diesen zählen

  • Müdigkeit und Schwäche
    Cortisol spielt eine wichtige Rolle bei der Energieproduktion. Bei einem Cortisolmangel, können sich Symptome wie chronische Müdigkeit, Muskelschwäche und ein allgemeinen Erschöpfungsgefühl äußern.
    ‍
  • Niedriger Blutdruck
    Cortisolmangel kann zu einem niedrigen Blutdruck führen. Dieser wiederum äußert sich unter anderem mit Schwindel und Ohnmacht, insbesondere beim Aufstehen.
    ‍
  • Gewichtsverlust
    Ein niedriger Cortisolspiegel kann zu ungewolltem Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit führen.
    ‍
  • Salzhunger
    Bei einem Mangel an Cortisol kann der Körper nicht mehr genügend Natrium zurückhalten. Dies kann einen starken Heißhunger auf salzige Lebensmittel bedingen.
    ‍
  • Depressionen
    Ein Cortisolmangel wird auch mit Stimmungsschwankungen, Depressionen und einem Verlust der emotionalen Stabilität in Verbindung gebracht.

Cortisol ist ein vielseitiges Hormon, das zahlreiche lebenswichtige Funktionen im Körper erfüllt. Sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger Cortisolspiegel können gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Eine langfristige Abweichung von normalen Cortisolwerten kann zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen, darunter Gewichtszunahme, Bluthochdruck, Schwäche und sogar psychische Störungen. Es ist daher wichtig, den Cortisolspiegel im Gleichgewicht zu halten, um die körperliche und psychische Gesundheit zu bewahren.

Neu bei Fimo Health?

Wir suchen Menschen, die unsere App noch nicht kennen. Qualifiziere dich für ein Test-Gespräch, erhalte 2 Monate kostenlosen Zugriff + Ansprechpartner und teile deine Erfahrungen mit uns.