Krebs und Ernährung

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist während einer Krebserkrankung wichtig, denn sie kann den Heilungsprozess und Therapieerfolg beeinflussen.

Veröffentlicht am

27.2.2024

Zuletzt aktualisiert am

23.5.2024

Ernährung spielt eine wichtige Rolle, denn sie bildet die Basis für einen gesunden Lebensstil. Über die Nahrung erhält der Körper die notwendige Energie und wird mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt, die essenziell für viele Funktionen des Körpers sind.

Ist der Körper beispielsweise durch eine Krebserkrankung oder Chemotherapie geschwächt, ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung noch wichtiger, um den Körper im Heilungsprozess zu unterstützen. Welche Ernährung gesundheitsförderlich ist, wird unter anderem durch die Krebserkrankung aber auch Therapie beeinflusst. Entsprechend gibt es nicht eine standardisierte Krebs-Diät, wenngleich sich viele Mythen um dieses Thema ranken.

Dieser Artikel räumt mit einigen Mythen auf und stellt allgemeine Ernährungsempfehlungen dar. Die folgenden Inhalte sollen einen Überblick über wichtige Fakten geben und als erste Orientierung dienen. Sie ersetzen keine individuelle, ärztliche oder auch ernährungstherapeutische Beratung.

Krebs-Diät Mythen

Die optimale Krebs-Diät nicht existiert. Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel die mit diesem allgemeinen Versprechen werben, tun dies zum aktuellen Zeitpunkt ohne ausreichende Evidenz.
Viele Mythen bergen auch ernsthafte Gefahren, auf die im Folgenden eingegangen wird:

Antioxidantien: Zellschutz vs. Therapieeinfluss

Antioxidantien bieten Schutz vor so genannten Freien Radikalen. Freie Radikale werden vom Körper selbst während verschiedener Stoffwechselprozesse gebildet, entstehen aber auch durch schädliche äußere Einflüsse wie Zigarettenrauch, die UV-Strahlung der Sonne oder Umweltgifte. Antioxidantien schützen Zellen durch ihre antioxidative Wirkung und tragen so grundsätzlich dazu bei, Zellen gesund zu halten und Krankheiten vorzubeugen.

Zu Antioxidantien zählen die Vitamine B2, C, E, Selen und Zink, sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Beta-Carotin und Reveratrol.

Bei einer Krebstherapie können sie jedoch auch negative Wirkungen entfalten:

Freie Radikale können DNA-Schäden verursachen, die Krebs auslösen können. In hohen Konzentrationen können Freie Radikale jedoch auch Tumorzellen abtöten, was vermutlich zur therapeutischen Wirkung von Zyostatika und Strahlentherapien beiträgt. Antioxidantien schützen Zellen vor oxidativem Stress durch freie Radikale, was bei gesunden Zellen erwünscht, bei Tumorzellen jedoch unerwünscht ist.

Bislang vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse resultieren aus Grundlagenforschungen. Ob Antioxidantien das Metastasierungsrisiko erhöhen, ist noch nicht abschließend geklärt, da klinische Studien fehlen.

Neben der Art der Krebserkrankung, dem Erkrankungsstadium und der Therapiemethode spielt es auch eine Rolle, welche antioxidative Substanz in welcher Konzentration eingenommen wird. Beispielsweise ist derzeit nicht auszuschließen, das Vitamin C, E und Beta-Carotin eine Chemo- oder Strahlentherapie beeinflussen. Auch können einige Vitamine Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten haben [1-6].

Aus dem Grund raten verschiedene Fachgesellschaften davon ab, während der Tumortherapie Nahrungsergänzungsmittel mit hochdosierten Antioxidantien einzunehmen. Informiere in jedem Fall deinen behandelnden Arzt, wenn du dennoch Nahrungsergänzungsmittel nehmen möchtest.


Zucker: Gesundheit vs. Krebswachstum

Im Volksmund meint Zucker häufig den industriell gefertigten, süßen Energielieferant. In anderen Kontexten greift dieser Begriff weiter: So ist im ernährungswissenschaftlichen Kontext auch von Kohlenhydraten die Rede, im medizinischen Kontext von Glykanen. Zucker im umfänglichsten Sinn beschreibt die vierte große Biomolekülgruppe, die in allen Lebewesen vorkommt. Zucker sind in ihren verschiedenen Formen elementar für die Gesundheit, denn

  • sie sind ein Hauptenergielieferant,
  • nehmen Einfluss auf Proteinstrukturen (Faltung) und
  • den Transport von Proteinen,
  • die Signalüber­tragung sowie
  • auf zahlreiche weitere biologische Prozesse im menschlichen Körper.

Auch für verschiedene Krebszellen spielen diese Funktionen von Zucker eine Rolle.

  1. Zucker und Krebsrisiko

Wissenschaftlich konnte bislang kein direkter Zusammenhang von Zuckerkonsum und Krebs festgestellt werden. Indirekt kann eine Ernährung mit hohem Zuckergehalt jedoch zu Übergewicht und Adipositas führen, was das Risiko für verschiedene Krebsarten erhöhen kann. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß ist, wird empfohlen, um die allgemeine Gesundheit zu fördern und das Krebsrisiko zu minimieren.

  1. Zucker und Krebswachstum

Krebszellen brauchen Energie, um sich zu vermehren. Diese Energie können sie auch aus Kohlenhydraten wie Zucker gewinnen. Bislang gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Nachweise, dass eine zuckerfreie Ernährung das Wachstum von Krebszellen eindämmt. Stattdessen kann eine zuckerfreie Ernährung zu Mangelernährung und Gewichtsverlust führen, die der Therapie und dem Heilungsprozess schaden kann.

Krebsgesellschaften wie die American Cancer Society und das Deutsche Krebsforschungszentrum empfehlen eine ausgewogene und gesunde Ernährung während und nach der Krebstherapie. Grundsätzlich empfehlen sie, den Konsum von raffiniertem Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln zu reduzieren, da diese oft weniger Nährstoffe enthalten.

Unterstützende Ernährung

Grundsätzlich ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung wichtig für die Gesundheit - dies gilt auch bei Krebserkrankungen. Zwar gibt es nicht die eine optimale Ernährung bei Krebs, jedoch kann die Krebstherapie durch die Ernährung unterstützt werden.

Allgemein empfohlen wird eine leichte Vollkost, auch allgemeine Schonkost oder Basisdiät genannt. In der leichten Vollkost werden Nahrungsmittel vermieden, die häufig zu Unverträglichkeiten führen. Stattdessen werden vermehrt Nahrungsmittel in den Speiseplan aufgenommen, die leicht verdaulich und dadurch wenig belastend sind. Welche Lebensmittel sich für eine leichte Vollkost eignen, ist individuell, da Neigungen zu Lebensmittelunverträglichkeiten sowohl genetisch als auch von der Lebensweise beeinflusst werden. Sie sind also von Person zu Person unterschiedlich.

Eine Ernährungsform, welche laut der deutschen Krebshilfe in Erwägung gezogen werden kann, jedoch derzeit wegen mangelnder Ergebnisse nicht offiziell empfohlen wird, ist die metabolisch adaptierte Ernährung. Studien haben gezeigt, dass im Rahmen einer Krebserkrankung eine Kost mit einem erhöhten Anteil an Fetten und Eiweißen und einem geringeren Anteil an Kohlenhydraten förderlich sein kann. Dies basiert auf der Tatsache, dass Energie aus Fetten besser verwertet werden kann, als aus Kohlenhydraten. Empfohlen werden hier Fette, welche in der allgemeinen “gesunden” Küche häufig gemieden werden: z.B. Fleisch, Kakaofett, Kokosfett und Fischöl. Gesunde Menschen sollten 30% ihrer Energie über Fette aufnehmen, dies ist laut den Expert:innen bei Krebspatient:innen zu wenig. Bezüglich der Eiweiße liegt die Empfehlung vor, 1,2-2g pro Kilogramm Körpergewicht am Tag zu sich zu nehmen. Nahrungsmittel mit besonders hohem Eiweißgehalt sind z.B. Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Hülsenfrüchte, Nüsse oder Getreide.

Ernährungsformen wie eine ausschließlich basische oder ketogene Ernährung, welche vermehrt im Kontext der Ernährung bei Krebserkrankten erwähnt werden, finden sich nicht in den hier berücksichtigten fachlichen Empfehlungen wieder.

Für eine gesunde und vollwertige Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE):

  1. Vielseitig essen
    Eine abwechslungsreiche Ernährung sorgt für eine ausreichende Versorgung mit allen verschiedenen Nährstoffen.
  2. Gemüse und Obst 5x am Tag
    Drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag werden empfohlen.
  3. Das volle Korn
    Vollkornprodukte sättigen länger und enthalten mehr Nährstoffe, wie z.B. Ballaststoffe als Weißmehlprodukte. Pro Tag sollten etwa 30g Ballaststoffe aufgenommen werden.
  4. Tierische Produkte
    Da Fisch wichtige Nährstoffe wie Jod und Omega-3-Fettsäuren liefert, ist es ratsam, diesen 1-2x pro Woche zu integrieren. Auch Milch und Milchprodukte können als Kalziumlieferant täglich verzehrt werden. Fleisch und Eier sollten jedoch nur dosiert gegessen werden. Zwar bringt Fleisch auch Eisen und Vitamine mit sich, jedoch stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung rotes und verarbeitetes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein. Hier ist also die Art und Menge des Fleisches zu beachten.
  5. Gesunde Fette
    Hier sollte der Fokus auf pflanzlichen und nicht auf tierischen Fetten liegen (z.B. Olivenöl). Diese liefern wichtige Fettsäuren, sind jedoch auch sehr energiereich und können zu Übergewicht führen. Auch hier ist also eine bewusste Dosierung notwendig.
  6. Zucker und Salz einsparen
    Achtung bei verstecktem Zucker, z.B. in süßen Getränken! Beachte außerdem, dass deine tägliche Einnahme von Salz eine Menge von 6g/1 TL pro Tag nicht überschreitet.
  7. Trinken
    Etwa 1,5 Liter Flüssigkeit solltest du pro Tag zu dir nehmen. Bevorzugt ungesüßte Getränke, wie Wasser oder Tees. Alkohol sollte nur gelegentlich und in Maßen getrunken werden.
  8. Eine schonende Zubereitung
    Um die Nährstoffe zu erhalten empfiehlt sich hier ein Garen bei niedriger Temperatur mit wenig Wasser und Fett.
  9. Zeit und Genuss
    Ein bewusstes Essen mit ausreichend Zeit begünstigt das Sättigungsgefühl.
  10. Gewicht und Bewegung
    Eine Kombination aus ausreichender körperlicher Aktivität und einer ausgewogenen Ernährung können ein gesundes Körpergewicht ermöglichen.

Das Thema Ernährung kann im Rahmen einer Krebserkrankung viele Fragen aufwerfen. Da die Ernährungsbedürfnisse je nach Art und Stadium des Krebses, den angewandten Therapien und dem individuellen Gesundheitszustand variieren können, ist es ratsam, sich mit einem Ernährungsberater oder Arzt zu besprechen, um eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Ernährungsstrategie zu entwickeln.

[1] Gorrini, C.; Harris, I.; Mak T.: Modulation of oxidative stress as an anticancer strategy. Nat Rev Drug Discov 2013; 12: 931–947

[2] Holch, JW; Michl, M; Heinemann, V;, Erickson, N.: Vitamine und Spurenelemente in der Onkologie. Dtsch Med Wochenschr. 2017;142(12):896-902

[3] Martinović, LS; Peršurić, Ž; Pavelić, K: Nutraceuticals and Metastasis Development. Molecules. 2020; 25(9): E2222. Published 2020 May 8.

[4] Obrador, E; Liu-Smith, F; Dellinger, RW et al.: Oxidative stress and antioxidants in the pathophysiology of malignant melanoma. Biol Chem. 2019 Apr 24; 400(5): 589-612

[5] Le Gal, K; Ibrahim, MX; Wiel, C et al.: Antioxidants can increase melanoma metastasis in mice. Sci Transl Med. 2015; 7(308): 308re8.

[6] Piskounova, E; Agathocleous, M; Murphy, MM et al.: Oxidative stress inhibits distant metastasis by human melanoma cells. Nature. 2015; 527(7577): 186–191